Ein Plädoyer für offene ePortfolios
schule, studentenGerade poppt bei mir wieder das Thema ePortfolio auf. Es scheint gerade eines der angesagtesten Themen im Kreise von Pädagogen zu sein.
Bereits vor geraumer Zeit habe ich Seminarteilnehmer erlebt die sagten
“Ein ePortfolio soll für alle zugänglich sein, dann kann das ja jeder lesen!?”
und sofort entstand der Wunsch sein ePortfolio “abschliessen” zu können und für sich im verborgenen Kämmerlein zu führen. Dahinter steht primär die Angst, dass etwas “unausgereiftes” veröffentlicht und von “anderen” gelesen werden könnte. An dieser Stelle scheint mir eine Diskussion über Sinn und Unsinn von Portfolios angebracht. Aus meiner Sicht sollten ePortfolios offen sein um Anregungen von Aussen aufnehmen zu können und dadurch die eigene Reflexion zu verstärken. Ein isoliertes ePortfolio nur für einzelpersonen macht aus meiner Sicht wenig Sinn. Wenn ein Eintrag im ePortfolio noch nicht so vollendet ist wie der Beitrag für ein Buch, eine Haus- oder Diplomarbeit, so ist es doch in jedem Fall ein Ausdruck dessen womit sich jemand beschäftigt. Und diese Beschäftigung kann auch schon sehr wertvoll sein, ohne dass der Beschäftigungsprozess abgeschlossen ist. Hier fehlt dem (deutschen) Bildungswesen noch etwas der Entwicklungsgedanke und die Umsetzung des lebenslangen Lernens. Always Beta sollte hier die Devise sein, welche einen nicht zwingt am Status Quo festzuhalten, sondern eine Weiterentwicklung ermöglich, ja geradezu dazu auffordert.
Das eLearning 2.0 Blog fragt ob ePortfolios nicht auch ein Datenschutzrisiko darstellen würden wenn der Schreiber ein persönliches ePortfolio führt. Die Frage ist zunächst nicht unberechtigt, wenn ich mir aber Seiten wie z.B. das Examensblog ansehe, so wird man kaum Anlass finden sich Sorgen machen zu müssen.
Interessant finde ich den Ansatz von Maren Fischer zu überlegen was denn noch >>privat< < und was >>öffentlich< < bedeuten soll und ob diese Unterscheidung im Medium Internett noch Sinn macht.
Auch wenn ePortfolios für deutsche Lehrer und Schüler auf den ersten Blick (noch) nicht relevant zu sein scheinen, so ist der Hinweis auf die Kampagne Think before you post die bei netzpolitik.org vorgestellt wird und vom eLearning 2.0 Blog mit ePortfolios in Verbindung gebracht wird insbesondere für Lehrer relevant.
Die folgenden Videos machen auf ein Phänomen aufmerksam, welches sicher nicht die digital natives, sondern eher digital naives beschreibt. Lehrer haben meiner Ansicht nach die Aufgabe hier die entsprechende Aufklärungsarbeit zu leisten. Spätestens an dieser Stelle sollten Lehrer Anfangen sich mit den Web 2.0 Phänomenen, user generated content und ähnlichem zu beschäftigen, auch wenn ich der Meinung bin, dass auch die Einbeziehung dieser Techniken in pädagogische Prozesse Grund genug gewesen wären für diese Auseinandersetzung.
Freitag, Januar 18th, 2008 at 18:10 and is filed under Szenarien, ePortfolios. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.


Ein in der Tat spannendes Thema. Gerade unter Studierenden finde ich die generelle Ablehnung gegenüber einem ePortfolio immer wieder erstaunend, zumal doch eigentlich eine gewisse Grundneugierde gegenüber Neuem vorhanden sein sollte. Aber offenbar überwiegt dann doch die Scheu vor etwas Neuem, erst recht, wenn es kein geforderter benoteter Leistungsnachweis ist.
Ja, genau die Angst, jemand anderes könnte erfahren, womit man sich gerade beschäftigt, oder - Gott behüte! - etwas davon abschauen … oder noch furchtbarer und lebenslang peinlich, jemand könnte darin einen Fehler finden und anmerken, und dann wäre das für immer und ewiglich im Netz (quasi der Abituraufsatz mit der roten Tinte des Lehrers), und alle könnten es sehen, sogar der oberste Landesvater…- diese Angst, besonders in Deutschland, woher die wohl kommt? Professoren trauen sich hierzulande kaum, in einem Weblog zu kommentieren, geschweige denn, selbst eines zu führen - ganz im Gegensatz zu den angelsächsischen Ländern.
Woher das wohl kommt?
Hier gilt immer noch im Wissenschaftssystem ebenso wie im Schulsystem: Konkurrenz ist oberstes Prinzip - kooperatives Lernen, so geht die Mär, bringt nicht nur nichts, schlimmer noch ist doch dabei immer gerade der “Leistungsträger” der Dumme, der für die anderen, die Blöden und die Faulen mitarbeiten muß, die sich dann dranhängen … Das ist tiefsitzende Ideologie und Verständnis vom Lernen und Leisten, die/das man nicht so schnell verändert kriegt !Wenn man dann nämlich auf die Wirtschaft verweist, in der es zum Teil schon sehr anders zugeht, dann heißt es: Oh, das ist doch bloß Profitinteresse, das macht die Bildung ganz kaputt, wenn man die Wirtschaft als Vorbild nimmt!
[…] öffentlich zu machen, verbunden werden. (r. hatte dazu auch kürzlich hier nebenan geschrieben: loveitorchangeit) Vielleicht ist in diesem Fall (Schulpraktikum, erste Erfahrungen auf der “anderen Seite des […]